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Effektives Feldbogenschiessen

Effektives Feldbogenschiessen

Effektives Feldbogenschiessen

Warum Feldbogen ?

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Teil 1

Viele Hallen und FITA Schützen fragen sich worin wohl der Spaß beim Feldbogenschiessen liegt. Warum sollte man sich durch den „Busch“ quälen, womöglich Pfeile beim Schießen auf  Scheiben unbekannter Entfernung  verlieren und zum Schluss vielleicht noch mit einem Zeckenbiss nach Hause zu kommen? Naja, immerhin gibt es meist keinen Sonnenbrand.

Wer das Bogenschießen in Feld und Wald aber erst einmal probiert hat, kommt kaum wieder davon los. Das gemeinsame Schießen in einer kleinen Gruppe auf ständig wechselnde Ziele  bergauf und bergab ist Bogensport extrem. Bei dieser Disziplinwird der Schütze auf bei jeder Scheibe neu gefordert, die Scheibe muss wie ein Loch beim Golf  „gelesen“ werden.  Entfernung, Winkel, Hanglage und Wind müssen bedacht werden, Probeschüsse gibt es nicht-  jeder Schuss zählt.

Die Vorbehalte und eventuellen Ängste möchte ich den angehenden Feldschützen hier nehmen und die nötigen Tipps für den schnellen Einstieg in eine möglichst erfolgreiche Feldbogen Karriere mit auf den Weg geben.  Es gibt natürlich Unmengen an Tipps in diversen Foren im Internet, für eine wirklich  effektive Vorbereitung an Wissen und Material braucht es aber nicht viel Zeit oder größere Geldausgaben.  Hier jetzt der Schnelleinstieg für Visierschützen, besonders mit dem Compoundbogen, viele Tipps treffen aber für alle Schützen zu.
Ich gehe davon aus dass der angehende Feldschütze sein Material auf seinen Schießstil eingestellt und eingeschossen hat. Im Feld schießt man natürlich auf sehr unterschiedliche Entfernungen, der Visierschütze sollte sein Visier auf alle vorkommenden Entfernungen eingeschossen haben.  
Eine schnelle und effektive Hilfe bieten hier vorbereitete Visierskalen. Diese Skalen haben eine Meter (oder Yard) Einteilung und sind meist in verschiedenen Größen auf einem Blatt aufgedruckt. Man schießt z.B. 20m und 60m ein, misst den Abstand der Visiereinstellungen und sucht die entsprechende Skala aus. Die Zwischenentfernungen passen dann sehr gut und müssen nur noch kontrolliert werden.  Im Extremfall reicht so eine Viertelstunde um das Visier einzuschießen. Eine ähnliche Möglichkeit das Visier schnell einzurichten bieten auch verschiedene Software Programme.
Diese Art der Visierskala hat diverse Vorteile, Ablesefehler oder Übertragungsfehler  von Zettel zu Visiereinstellungen werden minimiert, ein sehr wichtiger Aspekt ist aber auch die Kontrolle nach dem Schuss. Ich habe noch nie gesehen dass ein Schütze der mit einem  Zettel für die Visiereinstellungen arbeitet nach dem Schuss genau kontrolliert was e

r eigentlich eingestellt hat. Mit einer Meter Skala am Visier reicht ein Blick um zu sehen dass man z.B. 3 Meter abziehen musste um das Zentrum zu treffen.  Wer bei 37 Metern Entfernung 13% Entfernung abziehen möchte ist wirklich froh wenn er das dann nicht noch von einer Visiertabelle die Entfernung übertragen muss. 
Die ganz kurzen Entfernungen  müssen abschließend noch eingeschossen werden, 15,10 und 5 Meter liegen beim Compound sehr eng beisammen, sollten aber dennoch kontrolliert werden.
Bei einem gut eingeschossenen Bogen ist es eine Selbstverständlichkeit das das Visier auf die verschiedenen Entfernungen nicht in der Seite verstellt werden muss. Es ist einfach nicht praktikabel für jede Entfernung erst die Seite zu korrigieren. Diese Seitendifferenzen eliminiert man durch die Einstellung der zweiten Achse der Visiereinstellung oder die Seitenverstellung der Pfeilauflage, dazu aber später mehr.
Beim FITA Feldschiessen benutzen die meisten Schützen ein Scope mit .5 Dioptrien, also eine ca. 2 fache Vergrößerung um die unbekannten Entfernungen leichter zu messen. Ansonsten gibt es bei Visier keine Unterschiede zu den anderen Schießdiziplinen. Wer ein  sowieso ein neues Visier braucht, sollte fürs Feldschiessen darauf achten das es eine sogenannte 3. Achse Verstellung besitzt. Für den Anfang braucht man sich darüber aber keine Gedanken machen solange alle Teile gerade bzw. im rechten Winkel montiert sind.

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Damit ist die Bogenausrüstung schon fertig für Feld! Man benötigt keine besonderen Pfeile, keinen anderen Bogen oder sonstiges Spezialzubehör. Unter den Top Schützen findet sich fast alles Material zum Beispiel leichte oder schwere, extrem dünne oder auch sehr dicke Pfeile. Bei den Bögen gibt es offensichtlich auch keine Marke und keinen Bogen der besser als andere fürs Feldschiessen geeignet ist auch wenn die Hersteller einem dies gerne suggerieren. Der „Busch“ ist auch nie so dicht das ein langer Stabilisator hinderlich wird, auch eine Spinne bleibt natürlich am Bogen wenn er entsprechend eingeschossen ist. Auch besondere Kleidung wird nicht benötigt, nebenbei bemerkt ist Camo Kleidung auf FITA Turnieren verboten. Regenkleidung ist ja leider immer vorhanden, festes Schuhwerk dem Gelände entsprechend ist ein Muss. Ein gutes Fernglas ist selbstverständlich, viele Schützen haben einen Sitzrucksack um Essen, Trinken und notwendiges Zubehör zu transportieren. Bei den meisten Feldturnieren kommt man mehrfach an den Verpflegungsstationen vorbei. Zum Glück sind hier auch meist transportabel Toiletten, besonders wichtig für die Schützinnen. Gibt es am Bogen einen Defekt muss man sich innerhalb der Gruppe helfen oder eventuell zum Startplatz zurück gehen um Ersatz zu holen.

Bevor man nun aufs Turnier geht macht man sich natürlich mit den Regeln vertraut. 
Auf Feld Turnieren nach IFAA (International Field Archery Association, z. B. AAE, DFBV) Regeln sind alle Entfernungen bekannt, bei FITA Feld Turnieren  ist bei der Hälfte der Scheiben die Entfernung unbekannt und muss geschätzt bzw. gemessen werden. Als erstes sollte man bei den Scheiben mit unbekannter Entfernung den Bereich wissen in dem die Scheibe stehen darf. Diese Information darf man auch in gedruckter Form bei sich tragen. In der FITA gilt die Regel das alle Informationen die zur Verbesserung der Ergebnisses helfen können nicht mitgeführt werden dürfen. Insbesondere für Schätzhilfen und Winkelkorrekturen müssen zu Hause bleiben, Tipps wie „kräftig Drücken“ auf den Wurfarm  geschrieben werden allerdings toleriert. 
Will man an FITA Feld Turnieren erfolgreich teilnehmen sollte man in der Lage sein die Entfernungen der Scheiben mit dem Scope abzuschätzen. Dies hört sich schwerer an als es ist, mit nur wenig Übung wird der erste Pfeil immer zumindest die Scheibe treffen. Eine Anleitung findet sich auf der FITA homepage. Ich werde es auch hier noch näher erläutern.
Nun kann es also wirklich losgehen, ab aufs Turnier. Hier gilt wie bei anderen Turnieren auch das rechtzeitiges Erscheinen den Stress enorm reduziert. Der Startplatz muß gefunden werden, manchmal etwas schwierig,  dann den Bogen aufbauen, alle Sachen für den Tag packen, anmelden und dann zum Einschießen.  Hier der erste Unterschied zu Hallen oder FITA Turnieren, das Einschießen verläuft nicht so geordnet wie gewohnt, alle Schützinnen und S
chützen suchen sich eine der hoffentlich reichlich vorhandenen Scheiben aus und schießen dann  beliebig viele Pfeile. Die Pfeile werden dann gleichzeitig  gezogen und die nächste Passe beginnt. Einige Schützen lassen nur wenige Pfeile zum Einschießen fliegen, andere schießen fast 100 Pfeile zum Warmwerden. Bei großen Turnieren wie z.B. in Dahn sind gelegentlich nur wenige Einschieß Scheiben für sehr viele Schützen aufgebaut, also einfach etwas früher Einschießen und danach noch einen Kaffee trinken.

Nach dem Einschießen treffen sich alle Schützen am Sammelplatz, werden in die Gruppen eingeteilt und anschließend zu den Scheiben geführt.

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Teil 2

Im ersten Teil habe ich die Grundlagen von Regeln und Ausrüstung zum Feldbogenschiessen erläutert, nun möchte ich euch erklären wie so ein Turnier abläuft und anhand der dabei auftretenden Anforderungen noch mehr Tipps und Hilfen zum schnellen Einstieg ins Feldbogen Schießen geben.  Dazu begleiten wir einen Neuling im Feldbogensport auf einem fiktiven Turnier. Dies kann natürlich auch eine Schützin sein, die Damen sind nach meiner Erfahrung oft lernfähiger als ihre männlichen Kollegen. 
Die hochmotivierten und gut vorbereiteten Einsteiger ins Feldbogenschiessen haben aufmerksam den Ausführungen des Veranstalters gelauscht und sind nun bereit für den Weg zur Scheibe. Die hoffentlich ortskundigen Helfer führen die Gruppen zu den Abschuss Bei fast allen Feldbogen Turnieren beginnen alle Gruppen gleichzeitig mit dem Schießen, im englischen Sprachgebrauch auch „shotgun start“ genannt. Dazu müssen natürlich die Schützen zu den am weitesten Scheiben als erste losgehen und alle Schützen müssen wissen zu welcher Gruppen und zu welchem Helfer sie gehören. Wer hier nicht aufgepasst hat rennt dann nachher kurz vor Schießbeginn quer durch den gesamten Parcours, weil er z.B. auf dem blauen Parcours ist, aber den roten Parcours schießen soll. 
Am ersten Abschuss Pflock angekommen macht man sich mit den anderen Schützen bekannt, klärt noch einmal die Schießpositionen und Reihenfolge, wünscht sich Glück und wartet auf das Signal zum Anfangen oder die vorgegebene Startzeit. 
Jetzt kann man sich auch in Ruhe schon einmal die erste Scheibe anschauen. Welche Auflagengröße ist es, welche Entfernung, werden alle Pfeile von einer Abschussposition geschossen, geht es bergauf/bergab oder entlang eines Hangs, gibt es Seitenlicht oder Seitenwind? Das sind für den Einsteiger schon relativ viele Variablen,  sie sollten aber soweit möglich schon vor dem Gang zur Abschussposition geklärt werden. Gerade bei den FITA Feld Turnieren  ist das recht knappe Zeitlimit sonst nicht einzuhalten. 
Die erste Scheibe könnte zum Beispiel eine FITA Feldauflage von 80cm Durchmesser auf 50 Meter Entfernung an einem Waldrand sein, der Schütze steht auf der Wiese, schießt parallel zum Wald, es sieht eigentlich nicht besonders schwierig aus. Diese Scheibe gibt es wirklich, Schützen die in Trier schon einmal an den 5 Nation Turnier mitgeschossen haben, kennen sie sicher gut. 
Visier einstellen, Pfeil auflegen und los geht’s. Der Schuss kommt gut raus, Höhe perfekt – Seite? Der Pfeil ist sehr weit nach links abgedriftet, im ersten Moment unerklärlich. Der freundliche Mitschütze gibt den Tipp: „achte mal auf deine Wasserwage“. Und tatsächlich: im Auszug zum zweiten Schuss steht die Libelle in der Wasserwaage ganz rechts, also einfach den Bogen verkippen bis alles in der Waage ist und – wieder links!  Beim dritten und letzten Schuss ist das Vertrauen in die eigenen Schießkünste doch recht erschüttert und unser Neuling versucht den Pfeil rechts anzuhalten um doch noch einen Treffer in der Mitte zu landen, leider ohne Erfolg.  Bei der Auswertung an der Scheibe fällt dann auf, das nahezu alle Einschusslöcher in der linken Hälfte der Scheibe sind. Dies hätte man natürlich auch schon vor dem ersten Pfeil mit dem Fernglas erkennen können,  aber so ist der Lerneffekt noch drastischer. 
Woran hat es gelegen, dass das Trefferbild auf dieser Scheibe so schlecht war. Die Wiese ist leicht abschüssig,  in Verbindung mit dem dunklen Waldrand scheint die Scheibe stark nach links zu „ziehen“. Um eine solche Scheibe, wie auch andere Scheiben am Hang gut zu treffen gibt es eine einfache, effektive 
Methode. Bevor der Bogen ausgezogen wird, kippt man den Bogen oben deutlich zum Hang hin, hält ihn also eher parallel zum Hang als im rechten Winkel. Im Vollauszug stellt man dann oft fest, dass die Wasserwaage unerwarteter weise  korrekt steht und der Bogen nicht zurück gekippt werden muss. Jetzt stimmt auch der  Druck im Bogen, da der Bogenarm nicht verdreht ist und die Wahrscheinlichkeit die Mitte zu treffen steigt erheblich. Offensichtlich tendieren Bogenschützen dazu den Bogen unbewusst immer senkrecht zu Boden auszurichten, am Hang führt dies zwangläufig zu Fehlschüssen. Auch andere landschaftliche Gegebenheiten wie schief gewachsene Bäume können die seitliche Trefferlage deutlich beeinflussen. Grundsätzlich sollte der Bogen im Vollauszug ohne weiteres Verdrehen des Bogenarms im Lot sein, ist dies nicht der Fall unbedingt absetzen,  den Bogen vor dem Auszug kippen und dann im Auszug nur noch minimal korrigieren.  Bei erfahrenen Feldbogen Schützen ist diese Technik meist so automatisiert dass sie darüber gar nicht mehr nachdenken.  

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